die zweite halluzination / zur lage der nation: “baggertennis / christkind”


die zweite halluzination / zur lage der nation: “baggertennis / christkind”

(deliriert zum stand vom 15. 12. 2017)

es spielen zwei baggerfahrer baggertennis mit einem schweineschädel. das heißt: mit machtvoll gelben baggerschaufeln werfen die bagger von den baggerfahrern sich den schweineschädel zu. verloren hat, wessen schaufel ihn, den schweinskopf, nicht mehr fängt, oder bei wem der schweineschädel aufplatzt und also alles vollsaut mit dem gatsch, wie er in schweineschädeln eben drin zu sein pflegt – die baggerschaufel vollsaut, und die kabinenscheibe vollsaut, und die reifen und den erdboden rundherum sowieso vollsaut.

der verlierer muss dann ein tutu anziehen, die schweine-schweinerei wegputzen und dabei die erklärung zur menschenrechtsstadt graz von 2001 laut und klar und deutlich singen, wobei es gilt, die töne ganz genau zu treffen, oider, weil: das christkind hört zu und muss weinen, wenn du schirch singst. der gewinner dagegen hat gewonnen, und das ist doch auch etwas wert, nichtwahr?

das christkindl aber, es sitzt in mittlerer distanz hinter den grauen, tiefhängenden wolken und denkt sich seinen teil. sein christkindlblick schweift, da der schweineschädel munter hin und her hüpft, über die weite rodungsbrache hin, entlang der abgeholzten böschung, wo die gelben bagger zwischen gatschbraun, stahlblau und dem verblichenen türkis von durchsichtigen werbebannern beinahe leuchten. und wirklich – das christkind hört den baggerfahrern zu, die sich in gutturalem steirisch irgendeinen hundserbärmlichen unsinn zurufen, betreffend das wetter und die formel I und den beziehungsstatus von andreas gabalier; lauter unsinn freilich, den wir ernst zu nehmen lernen sollten, denn immerhin haben wir ja meinungsfreiheit, nicht wahr?

das christkind, da es zuhört und mit trägem blick dem gehopse von dem schweineschädel folgt, säuft sich auf seiner breiten dunkelgrauen wolke einen fetzen an, der sich gewaschen haben wird, denn anders als mit hipster-bio-gin und wuzelzigarette ist diese steiermark hier wirklich nicht mehr zu ertragen. christkindlein meditiert über die frage, ob sich städte nun deshalb zu dörfern zurückentwickeln, *weil* die fpövp sie regiert, oder ob andererseits dorfbewohner eben eher fpövp wählen als städter, in welchem falle die ursachen für das erodieren so vieler früher mal errungenen zivilisiertheiten hier zu graz eher zu suchen sein würden bei, was weiß schon das liebe christkind, lohnstückkosten in der ziegelbranche in südungarn oder so …

erstere option, denkt das christkind und nimmt einen kräftigen schluck, hätte den vorzug, dass in ihr noch der widerschein eines primats der politik über die wirtschaft leuchtet, freilich unter dem vorzeichen, dass das schönste primat nichts nützt, wenn die verantwortlichen nicht daran glauben und/oder zu deppert sind, es zu nutzen; zweiteres erklärungsmuster dagegen erscheint dem christkind als die dialektisch-materialistische position zum thema und stimmt darüber hinaus auch mit dem umstand überein, dass die welt, wie das liebe christkindl weiß, ein weiter, wilder und gruseliger ort ist, an dem anderswo die leute nochmal ganz andere sorgen haben als das bissl verdorfung, zersiedelung und bedümmlichung, das hier so ansteht.

das liebe christkindlein ist jetzt grade da, wo es ist, und nirgends anders, weil es den beiden baggerfahrern dort unten zu weihnachten je einen job in der nächsten bundesregierung bringen soll, und da muss es vorher nachsehen, ob die auch brav waren. schaut aus, denkt sich’s, und wuzelt sich eine tschick zum gin. brav fuhren beide baggerfahrer bagger dieses ganze letzte jahr hindurch, schütteten erde, steine, unterholz auf den jeweils korrekten haufen, plätteten auch den vordem gar zu luftig-losen gatsch zur uferrampe an der wilden mur, damit man klumpert lagern und heranführen kann. einer der beiden hat sogar einen hochschulabschluss in irgendwas unwichtigem mit viel text, aber das baggerfahren war besser bezahlt als die assistentenstelle.

brav brav, denkt also gelangweilt das christkind und raucht, aber eigentlich ist mir das alles so, so wurscht … und wann schneit es endlich wieder? auf einmal kommt ihm vor, dass der schweinskopf, der vorm grauen, grauen himmel rosa bahnen zeichnet, weil die baggerschaufeln ihn schupfen, dass also dieser schweinskopf ihm in die augen schaut. kann aber eigentlich nicht sein, schon allein wegen der distanz … und das christkind wünscht sich zu weihnachten (so sagt es still und leis bei sich dem schweinskopf in der grauen grazer luft in seine schweinskopfaugen):

erstens, dass alle menschen lieb zueinander sind, und aber zweitens einen merkava-kampfpanzer, und mit dem fährt es dann durch den himmel über liebenau und thalerhof, dass sich die ganzen bösen geister, die da heut’ noch hausen, anscheissen, und die guten geister endlich einmal eine zeitlang eine ruh’ haben, und drittens wünscht sich’s von seinem himmlischen vater eine stromgitarr’ und ein paar notenblatteln von der musik vom dschango reinhardt, …

und wenn’s die musik vom dschango reinhardt dann nachspielen kann, das holdselige christkindlein im grauen himmel über den gelben grazer baggern, dann wirds die ganzen engerl des himmels einladen, und ein paar fesche schwule oberstufenschüler, und dann werdens party machen, das christkind und die engerln und die obersekundaner mit den knackpopos; auf einer rotleuchtenden abendwolke im frühsommer wird das sein, und der erzengel gabriel wird seine trompete mitbringen, und sie werden sich scheckig lachen, wenn sie sich von da heroben bei der sommerwolkenparty, das gewusel der österreichischen und speziell die steirischen innenpolitik anschauen werden, als handle es sich um eine qualitäts-fernsehserie auf netflix, denkt sich das christkindl, weil: so über den wolken, und lose mit den engerln und den knackigen jungs über das deck eines merkava gelagert, und schwitzig und high und aufs allerbarockste mit den popos wackelnd zur musik vom dschango reinhardt in der interpretation von ihm, dem christkind, und vom erzengel gabriel, wird man sich vor jenen hawis im verteidigungs- und innen- und justizministerium nicht füchten müssen, wenn sie ihre bekannte und belämmerte mixtur aus erstens kleinkriminalität und zweitens sehnsucht-nach-des-übervaters-strenger-zuchtrute (nothing to see here!) im land und in den flußlandschaften ausbreiten werden, grad so, wie sie jetzt grade noch lustig vor den augen vom christkind baggertennis spielen und dabei die vormals grünen auen plätten, haha hihi, so lacht das liebe christkindlein den schweinskopf an, der rosig gegens graue grazer wolkenwerk steht, und der schweinskopf sagt

“hör auf zum saufen, christkind, du hast genug für heut”

und da hat er auch irgendwie recht.

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