S.Schmitzer


De Consolatione Philosophiae

… Und uns?! … … uns, Schatzi, uns scheint derzeit nicht mehr und nichts Besseres zu tun zu bleiben, als dass wir das anscheinend unvermeidbare Herabsinken der zivilisierten Umgangsformen in Mitteleuropa schreibend begleiten. (Bekanntlich ist es gar nicht so lange her, dass man höflichkeitshalber davon Abstand nahm, jenes massenhafte Ersaufen von Negern und/oder Islamisten im Mittelmeer auch noch lautstark grölend abzufeiern, das man als stabil schweigende Mehrheit bislang bloß billigend zur Kenntnis genommen hatte …) Blöd, dass der Erkenntniswert unserer diversen Empörungen verschwindend gering bleiben muss, auch und gerade dann, wenn diese Empörung rechtschaffen, treuherzig und rhetorisch brillanter als […]


Vademekum zu APES**T

Das Hiphop-Gesamtkunstwerk, als welches wir die öffentlich ausgetragene Beziehungs- und Identitätskrise der Eheleute Carter bestaunen dürfen, hat nach Beyoncés “Lemonade” und Jay-Zs “4:44” ein drittes Kapitel: “Everything is Love“. Liegt eine damit abgeschlossene Trilogie vor? … Auf sehr altdeutsche Weise scheint sogar der Hegel’sche Dreischritt draufzupassen – von den “privaten” Emotionen der Alten (These) über die öffentliche Existenz ihres Hawis (Antithese) zur äh öffentlichen Zweisamkeit (Synthese). Bereits für die beiden Soloalben galt, dass das Aushandeln privater-körperlicher-emotionaler Sachverhalte über die Bande von Einträgen in den Diskurs afroamerikanischer Identitätspolitik/en gespielt wurde – oder man liest’s umgekehrt, und das körperliche/emotionale Zeug ist […]


Die dritte Halluzination zur Lage der Nation: Gartengnome, Powerpoint und Facebook

Anmerkungen zum, äh, “journalistischen” Teil des folgenden Textes: (a) In die Rechtschreibung unten zitierten Posts wurde nicht eingegriffen. (b) Um die Identifizierbarkeit der Beteiligten zu erschweren, wurden selektive Auslassungen in den Wortmeldungen vorgenommen. (c) Sollte dennoch eineR von ihnen einen guten Grund haben, die Entfernung des Beitrags zu wünschen, nehmen wir ihn gerne offline. Weiter im Text: Zwei sorgfältig animierte Gartengnome mit detailgetreu im sanften Wind wippenden Wichtelmützen betreten den Parkplatz vor dem Vorgarten vor dem Mehrparteienhaus. Aus den zahlreichen Rosen- und Hortensienbüschen am Zaun dringt vielstimmig, gerendert als ein Summen von Insekten und ein Tirilieren von Vögelchen zugleich, […]


Weiße Fahne, schwarzes Herz, “Zensur”

Diese Installation der “Weißen Fahne” von Wolgang Temmel und Fredo Ertl vor dem Kunsthaus … Trickreich trickreich, bzw. “g’lernt is’ g’lernt”, wie durch so einfache Mittel – vermittels einer weißen Fahne, eines (vermutlich) Videobeamers und fünfer einfacher Symbole – dieses Überangebot an Interpretationsoptionen vor und neben das Kunsthaus platziert wird … Nämlich erstens: Eine weiße Fahne, für sich genommen also ein noch unbearbeitetes Stück Stoff, das tausende Möglichkeiten bietet, aber im kulturell lesbaren Kontext selbst bereits Symbol, nämlich Symbol der Kapitulation (ohoho) vor was auch immer … Zweitens: Die Symbole, Pentagramm – Halbmond – Davidsstern – Swastika – Hammerundsichel […]


die zweite halluzination / zur lage der nation: “baggertennis / christkind”

die zweite halluzination / zur lage der nation: “baggertennis / christkind” (deliriert zum stand vom 15. 12. 2017) es spielen zwei baggerfahrer baggertennis mit einem schweineschädel. das heißt: mit machtvoll gelben baggerschaufeln werfen die bagger von den baggerfahrern sich den schweineschädel zu. verloren hat, wessen schaufel ihn, den schweinskopf, nicht mehr fängt, oder bei wem der schweineschädel aufplatzt und also alles vollsaut mit dem gatsch, wie er in schweineschädeln eben drin zu sein pflegt – die baggerschaufel vollsaut, und die kabinenscheibe vollsaut, und die reifen und den erdboden rundherum sowieso vollsaut. der verlierer muss dann ein tutu anziehen, die […]


Unqualifizierte Halluzination / zur Lage der Nation.

Unqualifizierte Halluzination / zur Lage der Nation.   Wien, Stephansplatz. Ein Reisebus fährt mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über den Platz, direkt an der Dompforte vorbei. Die Zettelverteiler und die Fremdenführer in ihren Mozartperücken hüpfen beiseite, dass es eine Freude zum Zuschauen ist. (Um die Tauben und die Touristen machen wir uns mal keine Sorgen, sie nicken weiter blöde vor sich hin und bewegen sich in schützenden Großgruppen übers Pflaster.) Ein Geistlicher stolpert, aber das ist uns auch wurscht. Da der Bus laut quietschend zum Stehen kommt, blockiert er sowohl den Autoverkehr am Eck Rotenturmstrasse alsauch den Fiakerstandplatz beim Dom. […]


gesamtsituation: tausend jahre fuffziger.

das mit der rede von georg friedrich haas beim festakt zu fuffzig jahren steirischer herbst, das hat inzwischen jede_r mitbekommen, den_die’s interessieren könnte, oder? – wie es des erfolgreichen onkels aus amerika bedurfte, um uns hier, hinter den sieben bergen bei den sieben liebenauer schrebergartenzwergen auf den sieben unaufgearbeiteten massengräbern, noch einmal vorzubuchstabieren, wie das mit unserem zeitgenössischen kunstundkulturbetrieb im lande ist … dass sich, was an ihm irgend erfreulich ist, der abgrenzung von und des abwehrkampfes gegen die vielen altnazis in den instanzen und in der bevölkerung verdankt, wie er auch in den sechziger jahren noch nach kräften […]


Mehr Beton!

Klare Verhältnisse? – Bloß nicht! Nehmen wir zur Kenntnis: Neuwahlen im Herbst, drei-Fronten-Battle-Royale: Bumsti St. Rache vs. Dumbo Kurz vs. Humphrey Kern. Daran ist einzig erfreulich, dass die Zuspitzung auf die beiden Häuptlinge der beiden ehemaligen Großparteien – im langjährigen Vergleich ungewohnt photogene Kerle, und obendrein überdurchschnittlich talentiert im fehlerfreien Aufsagen mehrgliedriger Sätze – dem lästigen Bumsti ein bisserl Wasser abgräbt. Leider verhält sich das u. a. so auch aus keinem besseren Grund als jenem, dass er halt nicht mehr ganz so fesch und schwiegersöhnlich-munter ausschaut wie seine beiden Mitbewerber, der Haazeh – aber was solls, der latente Lookismus […]


Fronkreisch! Fronkreisch!

Meine Damen und Herren Vernunftskeptiker; liebe zigtausende Politstrateg_innen daheim an den Empfangsgeräten; sehr geehrte nützliche Idioten! In Fronkreisch ist also in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl mit Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron ein erzliberaler Volldepp jener Gegenkandidat, den wählen wird müssen, wer nicht behilflich sein will, die offene Faschistin Marine LePen zu ermöglichen. Nun ist es schlechterdings unmöglich, sich diesen Wahlgang (Match “*eppen gegen *öcher”, das er ist) irgend als epischen Showdown “Gut gegen Böse” zu verkaufen. Das wiederum stösst, wie wir in den letzten zwedrei Tagen beobachten durften, zahlreichen Insass_innen des bekannten links|:radikal:|liberalen Thinktanks “Facebook” sauer auf. Es scheint, […]


Autorität und Kleinganoventum. Eine Übersicht

Das Folgende erschien mir alles bisher selbstverständlich, nicht der Rede wert; erschien mir als *Ausgangspunkt* möglicher Gespräche über die Welt, in der wir leben, und nicht als deren potentieller *Gegenstand*. Ich wurde kürzlich drauf hingewiesen, dass dem nicht so sei, und dass ich’s mal aufschreiben solle. Ok. Hier bitte. Die einzelnen Punkte sind übrigens alle von K. Theweleit, H. Arendt, S. Freud, nur die holprige Hauruck-Zusammenfassung ist von mir.   Es geht um zwei Fragen. Erstens: Warum es immer dieses gleiche Gesupp aus Privatkonkurs und Hochstapelei ist; gerade diese und keine andere Mischpoche; warum stets dieser Bodensatz aus habituellen […]


Wahl und Kraftwerk und so weiter

Die Bäume also, hört man, fallen. Die Grazwahl ist geschlagen, und keine 24 Stunden drauf beginnt die Schaffung von Tatsachen zwischen Puntigam und Liebenau, in jenen Auen mithin, wo uns zum Staudamm dazu noch ein angeschlossenes Naherholungsgebiet versprochen wurde, als Ein noch besseres Naherholungsgebiet, als da eh schon ist; nicht mehr nur eine G’stetten mit Bäumen, sondern eine Extra-Spezial-G’stetten … Aber was wird an der dran dann so ‘extra’ sein? – …eingebaute Lautsprecher im Fuchsbau, USB-Buchsen im Boden und gratis WLAN überall? …Sträucher, an denen Schleckeis wächst? …oder doch eher nur: Ein paar komfortabel asphalterne Anfahrtschneisen, ein paar ausdifferenzierte […]