Walter Schaidinger


Ha-Ha!

Ha-Ha! Es ist das Ha-ha von Nelson, einem Mitschüler von Barth Simpson. In Noten klingt dieses Ha-ha zum Beispiel C – A, C-Dur, das typische Ätsch – Ha-Ha, weltweit verbreitet, Esperanto quasi. Im Moment lässt es sich in unserem Land ganz gut verwenden. Es enthält ausreichend Gehässigkeit, ist aber nicht ganz gemein, und außerdem ist ein Lachen nicht zu verbergen. Es ist eigentlich flächendeckend zu verteilen, muss man nicht zielen. Also, ein großes, allgemeines Ha-Ha fürs Alpenland einmal zu Beginn. Schauen wir uns ein paar Details an in diesem großen Ganzen, das uns in diesen Tagen staunen lässt, obwohl […]


Missverständnis

  Meine Güte, was habe ich nicht alles falsch verstanden im letzten Jahr. Und welche Zweifel ich gegenüber jenen hatte, die die neuen nationalen und sozialen Heimatparteien gewählt haben, nämlich dass sie sich eventuell ins eigene Fleisch schneiden würden. Ich habe alle fürchterlich unterschätzt. Ich habe einfach nicht bedacht, dass das Wählen dieser zwei so herzlich patriotischen Bewegungen eine bedingungslose Solidaritätsbekundung an unsere Minderheiten ist. Ich habe nicht überrissen, dass unser Volk die paar armen Teufel, die mit einem vielfachen leben müssen im Vergleich zu uns, einfach unterstützt und ihnen so ihre weitere Existenz sichert, ohne Scheu und mutig […]


Salat Mimosa

Salat Mimosa   Werden Bilder im Fotoshop bearbeitet, verändern sie sich bis zur Unkenntlichkeit. Nur die Trägersubstanz bleibt vage erkennbar. Alles ist Hochglanz. Bevor es Zeit ist, wird alles aufpoliert, ganz wie ein potjomkinsches Dorf. Zitat zur Beschreibung dieses Phänomens: […] Allgemeiner werden „gut aussehende“ Objekte bezeichnet, die tatsächlich schlechten Zustand verbergen. Es wirkt ausgearbeitet und beeindruckend, doch es fehlt ihm an Substanz.   Wenn nun die Zeit angebrochen ist, also nicht mehr in der Ferne, sondern ganz echt da, ist meist fertig mit Fotoshop, keine Zeit mehr dafür. Dann wird es erst richtig spannend. Über die bröckelnden Häuser […]


Enttäuscht II

“Nein! Wenn ich ein echter Seher wäre, hätte ich vorhergesehen, dass ihr eine VII würfelt, dann hätte ich VIII gesagt, denn dann hättet ihr mich nicht für einen Seher gehalten, weil ihr ja eine VII gewürfelt habt und keine VIII.” Diesen Satz sagt ein Scharlatan namens Lügfix, dem gerade zum Verhängnis wird, sich als Seher ausgegeben zu haben. Leider hatte er einmal, ein einziges Mal, die richtigen Zahlen, nämlich V und II, vorausgesagt, als ein Zenturio ihn dazu auffordert. “Der Seher” ist wohl eines der Meisterwerke des grandiosen Geschichtenerzählers René Goscinny in der Sammlung der Asterix-Bände. Es zeigt auf […]


Enttäuschung

Ein Besuch einer Documenta lohnt sich immer. Wenn auch viel zu kurz geraten, korrigiert sich die Sicht der Dinge allemal und eröffnet neue Perspektiven. Den großen Knaller habe ich nicht gefunden. Gefunden habe ich Enttäuschung. Enttäuschung über den Zustand der Welt. Flucht und Vertreibung waren selbstverständlich präsent. Bemerkenswert die Blutmühle, eine Münzpräge im kolonialisierten Südamerika, deren gewaltige Zahnräder von Eseln und schließlich von Menschen betrieben wurden. Ein exakter Nachbau davon steht am Gelände, und um 18.00 darf man dann selbst sich einspannen lassen, damit man genau weiß, wie es sich anfühlt, unterdrückt zu werden. Danach fahren wir wieder heim, […]


Presselandschaft Österreich

Ganz unverblümt darf man feststellen, dass bei regelmäßigem Konsum von deutschen Tageszeitungen sich jener von österreichischen erübrigt. Hin und wieder guckt man doch hinein, damit nicht in Vergessenheit gerät, wo wir uns befinden. Und gelegentlich stolpert man über Kommentare, die unter Umständen von Interesse sein könnten. Die Überschrift eines Kommentars in der lachsrosa Zeitung lautete gerade “Warum Kurz die kleinen Selbständigen zulaufen”. Bevor der Artikel näher betrachtet wird, stellt sich einmal die Frage, wie der Autor auf diese Idee kommt und wen aller er nicht befragt hat, gilt doch im Journalismus die berühmte Formel von “Check – Re-Check – […]


Arnulf Rainer

Der Kunst sind keine Grenzen gesetzt. Alle dürfen wir unter verschiedensten Rahmenbedingungen Künstler sein, für uns selbst oder mit dem Drang nach der großen Öffentlichkeit. Zur Zeit der mitunter wichtigsten Tätigkeiten während der Sommersaison, die das Gelingen eines Jahres wesentlich mitbestimmen, denke ich sehr oft an Arnulf Rainer, er eher weniger an mich, gehe ich doch überschaubar und gerade einmal in einem engen familiären bis freundschaftlichen Kreis mit meiner Kunst an die Öffentlichkeit. Die Zeit der Ernte ist die Zeit der ersten reifen Früchte, diese werden zu feinen Marmeladen verkocht, damit steht und fällt zum Beispiel nicht weniger als […]


Schablonen

In unserem Land wechselt eine Partei auf gewohnt elegante Weise ihren Obmann und ersetzt ihn mit dem aktuellen Doogie Howser der Politik. Transportiert wird es, als bliebe republikweit kein Stein auf dem anderen, dabei passiert es innerhalb eines Vereins, der vor nicht allzu langer Zeit bei Wahlen in der Bundeshauptstadt das Ergebnis mit beeindruckender Überzeugung auf ein einstelliges Resultat heruntergebogen hat. In England hat jemand geglaubt, viele Jungfrauen im Jenseits ergattern zu können, indem er Jugendliche und deren Eltern nach einem Konzert dorthin mitnimmt. Derweil unternimmt ein Mann eine erste Reise, der gar nicht gerne zu weit weg von […]


Dünne Luft

Reinhold Messner war so lange in den Bergen bei verdammt dünner Luft unterwegs, dass er allerhand gesehen hat, unter anderem Schneemenschen. Die Berge waren sehr hoch, muss zu seiner Verteidigung ergänzt werden. Er hat bestimmt noch ein paar andere lustige Dinge gesehen, nur hat er uns wohl das meiste davon nicht erzählt. Viele haben geschmunzelt über diese Begegnungen, die da erzählt wurden, er hat damit wohl Geld verdient – das soll sein, sind doch Geschichten über Schneemenschen eher unschädlich und harmlos. Und lustig sind sie allemal. Man kann ihm nicht einmal vorwerfen, keine Beweise mitgebracht zu haben. Zu jener […]


Und niemals nicht vergessen!

So viele Dinge sind uns selbstverständlich geworden, als hätte es sie immer schon gegeben. Ja, ein Schweinsbraten am Sonntag gehört schon auch dazu, aber viel wichtiger erscheint es mir, dass ich gleichzeitig, hätte ich gerade keine Lust auf diesen Braten, das auch öffentlich kundtun darf, wenn ich will. Dass ich beim Fenster hinausposaunen darf, dass ich den Braten nicht mag, der da gerade am Tisch steht. Das ist alles hart erarbeitet. Klingt komisch, ist aber so, wir vergessen das nur sehr schnell. Wir erleben es zwei Häuser weiter, dass dort jemand gar nicht so schnell schauen kann, wie er […]